Kein Aufbau und keine Helden gegen die Zugvögel im Norden

26 10 2011

(bjg) Giessen | Dafür aber wieder viele Verletzte, die unsere rot-weißen aus Gießen schon zu Beginn dieser Saison zu kompensieren haben. Das Verletzungspech scheint wieder zu zuschlagen.
Nachdem sich unsere Schlüsselfigur und Center Elvir Ovcina unter der Woche verletzte, zog sich nun auch Aufbauspieler Radenko Pilcevic am Freitagabend eine Fraktur und einen Bänderriss im linken Sprunggelenk zu. Zu allem Übel, muss nun auch der Ausfall von Pointguard Achmadschah Zazai verkraftet werden, was auf der Position Eins ein Loch hinterlässt.
Harmsen setzte gegen die Nordlichter auf Wayne Bernard und Barry Stewart als Spielmacher, die eigentlich aber auf der „Zwei“, als Shooting Guards, zuhause sind.
Betrachtet man mit diesen Hintergründen das Spiel gegen eine komplette Bremerhavener Mannschaft am Sonntag, ist eine Niederlage von 79:82 wirklich keine Schande. Ein Sieg wäre die Sensation gewesen – eine Niederlage zu erwarten – eine solch knappe Niederlage schon fast ein kleiner Erfolg. Das attestierte uns auch der gegnerische Eisbärendompteur Doug Spradley. „Respekt an die Gießener, die im Prinzip ohne Aufbau gespielt haben…“ lobt er das angereiste Team nach dem Spiel.
Eine Krone haben sich die Bremerhavener im eigenen Eisbärenkäfig damit nicht aufgesetzt. Sie starteten und verteidigten zunächst schlecht und überließen den Gästen aus Gießen oft Geschenke in Form von Turnovers und anderen Nettigkeiten die wir in Punkte umwandelten. Ovcina war in Bremerhaven nach einem kurzen Training nicht nur wieder einsatzbereit, sondern punktete sich – trotz Handicap – wieder einmal zum Topscorer (22).
Während die meisten Vögel sprichwörtlich nach dem Sommer in den Süden fliegen, ist es ja weitläufig bekannt, dass unsere beiden Ex-Spieler Smith/Peacock die Route in den hohen Norden genommen haben. Der Ex-rot-weiße Anthony Smith war auch der einzige, der Ovcinas 22-Punkte-Marke, mit seinen 27 erzielten Punkten für die Eisbären, an diesem Abend übertreffen konnte. Er war der überragende Spieler des Abends mit 100% von der Freiwurflinie, Nah- und Mitteldistanz. Bremerhavens eigentlicher Topscorer Zachery Peacock wurde insgesamt auf acht Punkten gehalten. Da war „Zach“ nicht auf zack oder verdammt gut verteidigt.
Nach Rückständen von teilweise mehr als zehn Punkten über den gesamten Spielverlauf, kämpften sich die Gießener 33 Sekunden vor Schluss sogar bis zu einem Ausgleich vor (79:79). Insgesamt war das Spiel von einer sehr ausgeglichenen Natur. Gießen holte gerade mal zwei Defensivrebounds mehr wie Bremerhaven (20/22) und traf auch prozentual gesehen auf Augenhöhe in allen Bereichen.Die Fans sind bereit !
Der finale Dreierversuch von Maurice Jeffers in der Schluss-Sekunde hätte ihn dann einmal mehr zum Helden avancieren lassen können. Aber er prallte vom Ring ab und besiegelte eine weitere Niederlage. Doch diese Niederlage lässt uns nicht verzweifeln, sondern auf mehr hoffen. Wir müssen Spieltag für Spieltag alles geben – jedes Spiel zählt. Aber zum zweiten mal sahen wir eine Mannschaft, die sich nicht aufgegeben hat und bis in die letzten Sekunden der Partie kämpfte.
Das wollen wir auch wieder kommenden Samstag sehen. Zum zweiten Heimspiel dieser jungen Saison empfangen wir die Konkurrenz aus Göttingen. Das belesene Fachpublikum des deutschen Basketballs prophezeit schon leise einen Sieg gegen die Veilchen aus Niedersachsen. Das Team steht tabellarisch zwar einen Platz über uns (15.), sportlich aber keinen Deut besser mit erst einem Sieg in vier Spielen. Es sollte also machbar sein auf dem eigenen Parkett an den letzten Heimsieg anzuknöpfen.
Schicken wir die Göttinger nicht nur mit Veilchen sonder ein paar blauen Augen nach Hause.





Serientäter im freien Fall

2 12 2010

Gießen | Die Gießen 46ers hatten in den vergangenen Wochen tierische Probleme. Das erste hieß „Schimmel“ – und zwar auf rotem Grund. In der schlecht absolvierten „Niedersachsenwoche“ gegen Entenhausen und Braunschweig gab es nicht nur zu wenige Punkte sondern auch eine Klatsche vom Feinsten in Quakenbrück (89:58) und eine unglückliche Niederlage gegen die „Phantoms“ in der heimischen Osthalle (70:80).
Das zweite Problem hieß „Albatros“. Die Seevögel aus Berlin kamen ohne Fans und gingen mit vielen Punkten. 80 an der Zahl gegen die 70 Punkte der Gießener. Das vierte „L“ in Folge.
Das dritte Problem hieß „Eisbär“. Entflohen irgendwo im Bremerhavener Zoo, zogen die Eisbären uns allerdings das Fell über die Ohren. Die Partie endete 79:83 aus Sicht der Gastgeber. Die Gießener stehen nun als Serientäter mit dem Arsch an der Wand.
„L L L L L“ lautet somit das Ergebnis aus den letzten fünf Spielen. Drei davon in der eigenen Halle. Als Abonnent des gelben Spielberichtbogens ist der anfängliche Höhenflug vergessen. Vielmehr fühlen wir uns wie im freien Fall zwischen Tabellenspitze und Kellergeschoss.
Und da kommen sie auch wieder. Die Stimmen aus dem Off. „Vladi raus!“ hallt es wieder in den einschlägigen Foren. „Vladi hat in erster Linie ein Problem mit seinem eigenen Ego. Er stellt seine persönlichen Befindlichkeiten über das Wohl der Mannschaft und versucht mangelnde Souveränität und Autorität mit seinem nunmehr unerträglichen Strafcoaching zu kompensieren“ so ein entnervter Fan im offiziellen 46ers-Forum. Auf den ersten Blick scheint er recht zu haben. Die Niederlagen können nicht alle etwas mit dem Fehlen von Smith zu tun haben. Die Auswechselpolitik, die wir als Laien und Halbprofis in der Halle zu sehen bekommen, ist manchmal nur schwer nachzuvollziehen. „Zack“ Peacock sitzt immer mehr auf der Bank und seine Mimik spricht mehr als tausend Worte. Peacock die nächste Generation Lischka und Tapuskovic?
Muss man einen Spieler vor 3500 Zuschauern am Feldrand anschreien? Lernt man das in der Trainerausbildung? Nein. Da ich selbst Basketball-Trainer bin, wenn auch nur mit D-Lizenz, so weiß ich aus unzähligen Lehrstunden zu „sozialer Kompetenz“, dass dies nicht der richtige Weg sein kann. Bei allem Respekt. Sachliche Kritik ist hier sicher nötig, aber natürlich keine „Vladi raus!- Parolen“ bitte.
Besonders im Spiel gegen Braunschweig und Berlin wären die Rufe „Fans raus!“ von den Spielern angebrachter gewesen. Auf jeder Beerdigung ist mehr Stimmung. Mal ehrlich – der Gießener Durchschnitts-Fan wartet inzwischen mit jeglichen Sympathiebekundungungen bis Vortänzer Ovcina dazu auffordert und seine inzwischen zur Gewohnheit gewordenen Anfeuerungen an die Fans unternimmt. Fabius sollte als Animateur mehr als ausreichen. Aber bei den Fans scheint sich eine muffelige Faulheit eingeschlichen zu haben. Die Osthalle hatte schon bessere Zeiten.
Ein Fan ist dazu da sein Team zu supporten. In guten wie in schlechten Zeiten. Niederlagen gehören dazu. Den Genotyp „Schönwetter-Fan“, dessen Population zur Zeit in der Osthalle enorm zunimmt, braucht – bis auf die Eintrittsgelder – kein Mensch. Vor allem hat es alles andere als einen positiven Effekt auf die Leistung der 46ers. Im Gegenteil.
Unser letztes Heimspiel in diesem Jahr bestreiten wir am Samstag, 4. Dezember, gegen die BG Göttingen. Eine Mannschaft deren Leistung weit über dem liegt was ihr Tabellenstand gerade aussagt – Platz 15. Mit fünf Siegen und sieben Niederlagen haben wir gerade mal einen Sieg mehr wie die Göttinger und müssen unsere verlorene Heimstärke am Wochenende endlich wieder finden.
Vergrößern wir am Samstag wieder den Kader um Einen. Verstärken wir das Team und die Tiefe der Mannschaft als „sechster Mann“. Lassen wir uns schon ab der ersten Minute einwechseln und geben wir 40 Minuten alles um unser Team zum Sieg zu führen. Auf geht’s Fans! Anfeuern und Siegen.





Die Quadratur des Kreises

21 02 2010

Bremerhaven | Eine Sensation! Kaum zu glauben! Wer hätte das gedacht?
Das waren die ersten Sätze im Fanforum am vergangenen Samstag, Punkt 21.10 Uhr mit dem Abpfiff in Bremerhaven.
Neben mir klebte so manch anderer zuhause gebliebener Fan an seinem PC. Auf der einen Seite den Live-Audiostream einer Tageszeitung, auf der anderen den BBL Live-Ticker, der etwa 20 Sekunden schneller war mit der Übertragung des Ergebnisses.
Meine Schreibtischplatte hatte nach der ersten Halbzeit schon die eine oder andere Bissspur. Die Mannschaft kämpfte sich im nördlichen Feindgebiet der Eisbären immer wieder ran, konnte sich aber nie deutlich absetzen.
Es war ein spannender Basketball-Krimi der Gießener Underdogs gegen eines der besten Teams der Liga. Und unsere Jungs haben es geschafft! Die Quadratur des Kreises! Die wenigsten hätten es für möglich gehalten nach der bitteren Serie von Niederlagen in den vergangenen Wochen auswärts wie auch zuhause.
„Zwei Serien wurden heute beendet“ so Trainer Vladi Bogojevic. Bremerhaven konnte bis zu diesem Spiel sieben Siege in Serie verbuchen, Gießen sieben Niederlagen.

Die „Vladi raus“ – Stimmen sind vorerst verhallt. Die Frage, ob er seine Mannschaft noch erreicht, ist fürs Erste beantwortet. Die Fans hat er auf jeden Fall erreicht. Noch mehr die Spieler, die 40 Minuten wirklich alles gegeben und alle taktischen Strategien perfekt auf dem Feld umgesetzt haben. Aber nicht nur der Sieg war mal was anderes.
Eine sportliche Abwechslung war dann auch das Turnier des 46ers „Office-Team“ gegen die Pressevertreter am Dienstagabend. Bei diesem traditionellen, basketballerischen Vergleich konnten sich alle Pressemitarbeiter anmelden die in der laufenden Saison in Wort oder Bild über die LTi 46ers berichten.
Schon in der Einladung betonten die Gastgeber eine Chancengleichheit der Teams, da sie neben Trainer und Ex-Basketball-Nationalmannschaftsspieler Vladimir Bogojevic auch durchaus einige Laien und „unelegante“ Spieler im Kader haben würden.
Gespannt machte ich mich also im Namen der GZ mit meinem Turnbeutel in die Osthalle auf, betrat den heiligen Boden und staunte nicht schlecht über die großen Mitarbeiter im „46ers-Office“. Die Größe scheint also auch im Büro der 46ers ein Einstellungskriterium zu sein – nicht nur auf dem Spielfeld.
Neben unserem Bundesliga-Trainer Bogojevic und Co-Trainer Wasshuber standen uns der Trainer der Regionalliga Thorsten Alver sowieTrainer der NBBL und JBBL und Spieler in der Basketball-Oberliga, Piljanovic als „unelegante Gegner“ gegenüber.
Es hieß also Stifte, Fotoapparate und Mikrofone beiseite und Ball in die Hand. Mit vereinten Kräften spielten wir zweimal 25 Minuten, 5 gegen 5, was das Journalistenherz her gab.
Trotz dieser völlig ausgeglichenen Talent- und Spielerverteilung waren die Spiele der Presse gegen die Bogojevic Auswahl wenig spannend – aber lustig.
Das sportliche Event klang dann gemütlich in der Licher-Platin-Lounge bei Speis und Trank aus. Ein schöner Abend ging zu Ende und dieses Spektakel wird sicher auch im kommenden Jahr wieder stattfinden. Jetzt noch mal ein paar basketballfreie Tage. Bis Samstag. Das nächste Heimspiel steht an.

Göttingen. Wir warten!








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