Einmal Himmel und zurück

21 02 2010

Gießen | Schon um 1780 beschrieb ein junger, begabter Hesse aus dem benachbarten Frankfurt den Gießener Basketball-Fan der vergangenen Woche in nur einem Satz: „Zum Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt.“ (Goethe) Ja, himmlisch war es vergangene Woche in der “Osthölle”, als unsere Mannen das Rekordviertel dieser und vergangener Saisons hinlegten.

In den ersten Minuten bereits 13 Rebounds von Johnson, Williams und Ovcina und 30 Punkte in den ersten zehn Minuten. Die beiden Neuverpflichtungen Elvir Ovcina und Osvaldo Jeanty legten eine traumhafte Premiere auf das Parkett und spielten sich schon mit den ersten Ballkontakten in die Herzen aller Gießener Fans. Es war einfach nur ein Genuss, Ovcina unter dem Brett „arbeiten“ zu sehen und Jeanty, wie er ganz in „Teague-Manier“ seinen ersten wilden Wurf von jenseits der Drei-Punkte-Linie versenkte. Da war er. Der Befreiungsschlag. Nach der Serie von sechs Niederlagen in Folge war es soweit. Mitte des zweiten Viertels kannte der Jubel keine Grenzen. 40:22 war der Punktestand aus Gießener Sicht und ich wollte mir schon während dem Spiel das wohlverdiente Bier gönnen, sah ich das Team doch schon mit einem Sieg vom Feld gehen.

49 Punkte, 26 Minuten und zwei Bier später kam es aber ganz anders. Denn in dieser Zeit waren die Düsseldorfer tatsächlich in der Lage gewesen nicht nur aufzuholen sondern auch vier Punkte mehr zu machen als unsere 46ers. Und da war es wieder. Das Gefühl, das mit Worten kaum zu beschreiben ist. Der Klassenerhalt bröckelt immer weiter, die treusten Fans verlieren ihren Optimismus und es wirkt, als wenn auch der eine oder andere Spieler keine Motivation mehr aufbringen kann. Ein Fan stach ganz besonders heraus. Wollte er doch auf seine Art und Weise den Trainer und vermeindlich Schuldigen auf der Pressekonferenz mal richtig die Meinung sagen. Ob er jetzt ein Gießener Basketball-Fan oder doch mehr ein Fan

seines Sohnes ist, sei dahin gestellt. Aber wer will es ihm verübeln? Am vergangenen Wochenende war er mit seiner Verzweiflung sicher nicht allein. Bereits in der Halle und bis heute in den Foren wurde nach der siebten Niederlage in Folge die Entlassung von „Vladi“ gefordert . Aber wer will behaupten, dass es dann anders wird? Wer will sich diesen Schuh anziehen? Das Wettrüsten der Teams in der BBL ist in vollem Gange. Unser Kredit ist aufgebraucht. In jeder Hinsicht. Aber wir haben ein Team, was von der Besetzung her eines der hochkarätigsten ist. Mit den beiden „neuen“ können wir inzwischen eine Mannschaft bringen, die sogar Play-Off tauglich wäre. Es verbleiben noch 13 Spiele. Freitag bereits gegen die Eisbären Bremerhaven auswärts. Kommende Woche empfangen wir dann BG Göttingen zu Hause. Die Geschäftsführung der 46ers betonte dieser Tag noch einmal, dass unser Coach Vladi bleibt und weiterhin das Vertrauen der Verantwortlichen genießt. Machen wir also das Beste daraus, denn auch der Siegeswille muss bleiben. Und das geht nur mit einer intakten und vollständigen Mannschaft.

Osthalle – Wir sind der sechste Mann!





Die All-Star Mythologie

21 02 2010

Gießen | Es ist sehr ruhig geworden in der verschneiten Basketballhochburg Gießen. Die jüngsten Niederlagen sind mehr oder weniger verdaut und die Spielpause erhoffte ich durch das „All-Star Game“ in Bonn etwas versüßt zu bekommen. Aber weit gefehlt.  


Unser Flügelspieler Moe Jeffers kam immerhin auf 7 Punkte, drei Rebounds und drei Assists in seinen etwa 15 Minuten Spielzeit. Aber von der erwarteten Show der „All-Stars“ war nichts zu sehen. Ein Mythos? Kaum ein Fastbreak mit Alley-Oops und krachenden Dunks. Die Spieler wollten wohl in Ruhe ein wenig „zocken“ und versuchten sich eher von der Drei-Punkte-Linie statt spektakuäre Moves auf das Parkett zu legen.

Dabei versprach BEKO BBL-Geschäftsführer Pommer im Vorfeld „Ein absolutes Top-Event, bei dem sich Highlight an Highlight reiht! Die Basketball-Bundesliga (BBL) veranstaltet jährlich ein All-Star-Game, bei dem die besten Spieler der Teams aus dem Norden gegen die Besten des Südens antreten. Die Spieler und Trainer werden dabei von Fans gewählt. Ein kleines Highlight war sicher der Drei-Punkte-Wettbewerb, den Taylor Rochestie, der bei MEG Göttingen unter Vertrag steht, mit 18 Punkten für sich entschied.

Naja. Vielleicht bin ich auch etwas verwöhnt von den All Star Games jenseits des großen Teiches. Jetzt heißt es noch ein wenig Geduld und dann geht es endlich wieder los. Rein ins „Gießen“-Shirt, einpacken was Krach macht und ab in die “Osthölle”.

Am Samstag sind die Düsseldorfer “Giganten” zu Gast. Die einen sagen Pflichtsieg, die anderen, leidgeprüften Fans rechnen auch damit, wieder knapp zu verlieren. Schlecht spielen können wir gegen die schlechteren Mannschaften nämlich ganz gut. Aber ich bin wie immer positiv! Unverbesserlicher Optimist was den rot-weißen Traditions-Basketball betrifft. Wenn wir auch auf dem vorletzten (17.!) Platz sind vor Paderborn. Soll es wirklich noch mal eng werden mit dem Klassenerhalt? Aber was sagt ein Optimist? Eng ist ein dehnbarer Begriff. Und ein Begriff dürfte auch jedem Basketball-Kenner unser neuer Center sein.

Der 2,12-Meter Center Elvir Ovcina war bei seinem ersten Auftritt, kurz nach seiner Ankunft, schon Top-Scorer gegen Berlin und hatte jetzt sogar noch mal 14 Tage intensive Einarbeitung im Gießener Trikot. Wehe, wenn er losgelassen! David Teague sehen wir ja diese Saison sicher nicht mehr. Leider! Aber die Jungs schaffen das schon. Das Spiel gegen Frankfurt war der Beweis, wie das Fehlen des Liga-Top-Scorers hervorragend kompensiert werden konnte. Wenn das Spiel auch knapp verloren wurde. Am Samstag ist es also an der Zeit, dass der MTV mal wieder sein Herrschaftsgebiet verteidigt.

Wenn die selbsternannten Giganten aus Düsseldorf auf unserem Parkett aufschlagen, werden sie wie ihre Namensvetter der griechischen Mythologie auf die olympischen Götter in Rot-Weiß treffen … Entschuldigung. Da ist es mit mir durchgegangen. Bis Samstag. Ein Sieg bleibt nicht länger ein Mythos. Keine Angst Fans da draussen.

Hier regiert der MTV!








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