Den ersten Drops gelutscht

9 10 2010

Gießen | Da war es – das lang vermisste Kribbeln in der Magengegend. Die Spannung und die Ungeduld in den letzten, jedoch endlos erscheinenden zehn Minuten bis zum ersehnten ersten Tip-Off in der Osthalle. Überstanden sind 154 Tage ohne lokalen Basketball auf Bundesliga Niveaue. Die Saison 2010/2011 ist eröffnet!

Das erste Saison-Bon(n)bon für die 46ers kam zwar unerwartet, hat aber umso besser geschmeckt. „Un bon(n) jeu” würde der Franzose sagen ;)
Ein tolles Spiel und der perfekte Saisonauftakt für „Vladi’s Neuauflage“ der LTi 46ers in der Saison 10/11 vor laufenden SPORT1-Kameras. Befanden wir uns in der letzten Sasion noch in der doppelt unterkellerten Talsohle der BBL, so starten wir jetzt, als hätten wir nie etwas mit Abstieg zu tun gehabt. Das zu den Titelfavoriten zählende Team der in Pink gekleideten Basketballern aus der Bundeshauptstadt wurde mit 75:70 in der heimischen Osthalle niedergerungen. Nebenbei war das seit sieben Jahren (2003) der erste Auftaktsieg der Gießener Basketballer. Damals hiess der vernaschte Drops Alba Berlin.

Niedergerungen wurde auch fast unsere Nummer 1, Maskottchen Fabius, der nach einem kleinen Tänzchen vor dem humorlosen, gegnerischen Fanblock „angegriffen“ wurde. Nein Spaß beiseite. Die Bonner Fans berichteten – im Nachhinein – nur vom „Werfen eines Papierknäuel“ auf Fabius. Dafür meinten aber anscheinend einige Sicherheitsleute dazwischen gehen zu müssen um “schlimmeres” zu vermeiden. Aber wir Giessener sind auch keine unbeschriebenen Blätter und Emotionen gehören zum Sport wie das Maß Bier zum Oktoberfest.

Neben Bonn gab es allerdings einen weiteren Verlierer. Gießens sechster Mann.
Das war keine „Osthölle“ sondern glich eher einem ausgepinkeltem Lagerfeuer. Vielleicht war die Pause zu lang und der Gießener Durchschnittsfan muss es erst wieder lernen, wie die Sporthalle Ost regelkonform befeuert wird. Die 2840 Zuschauer waren da nicht nur etwas zu wenig, sondern auch nicht besonders engagiert. Zum Glück haben wir zum einen unseren Kapitän Elvir Ovcina, der das in der letzten Saison schon besser erlebt hat (und hoffentlich ein gutes Wort für uns bei den neuen Spielern einlegt) und den sehr präsenten Fanblock „HDKF“ (Hinter-dem-Korb-Front) mit geschulten Ton-Angebern wie „Theke“, der die eine oder andere, peinliche Ruhe mit sinn- und gehaltvollen Gesängen zu überbrücken wusste. Während sich unser Team weiter einspielt und die Feinheiten abgestimmt werden, sollten die Fans wohl auch die eine oder andere „How-to-Support-my-Team“ Einheit absolvieren. Die Saison hat ja auch erst begonnen. Während die Ränge noch etwas eingerostet wirkten, spielten die Neuzugänge „Zach“ Peacock und Anthony Smith hingegen frisch wie der Frühling. Mit jeweils 21 Punkten waren die beiden US-Amerikaner Top-Scorer im Giessener Team. Auch Kapitän Ovcina machte ein überragendes Spiel als „Kopf“ der Mannschaft. Den „nur“ 5 Punkten standen nämlich 5 Assists und 8 Rebounds gegenüber. Mit den 5 Assists hatte Ovcina alleine so viele Vorgaben auf seinem Konto, wie das gesamte Bonner Team zusammen (6)!
Das lässt auf mehr hoffen und vor allem die Pre-Season mit ihren unterirdischen Vorbereitungsspielen komplett vergessen. Weiter so! Auf geht´s in das kommende Doppelspiel-Wochenende.





Tiger und andere Mogelpackungen

7 04 2010

Gießen | Ein bekannter Süßwaren-Hersteller versucht mit aller Gewalt Packungen zu kreieren, aus denen man partout die Schokocreme nicht restlos herauskratzen kann. Das selbe Gefühl, was ich sonst nur vom Frühstück kenne, überkam mich beim Spiel der LTi 46ers gegen die Walter Tigers Tübingen in den ersten 20 Minuten. Nachdem die Tiger sich in unserem Gehege immer mehr wie zu Hause fühlten und Gießen „auf Teufel komm raus“ keine Defense gegen Tübingen spielen wollte, schien es, als ob sie einfach nicht alles aus sich, beziehungsweise den Fehlern des Gegners, herausholen wollten. Dabei wird seit Tagen der Abstieg fast als nie dagewesenes Thema abgetan. Das Team – die Mogelpackung des Abends? Es hatte schon keiner mehr daran geglaubt. Nach einer verlorenen ersten Halbzeit und einem 16 Punkte Rückstand (38:54) im dritten Viertel wurden den schwäbischen Tigern schließlich doch die Zähne gezogen. Und das sehr schmerzhaft.
Aber zurück zum verloren geglaubten Brotaufstrich in der Mogelpackung. Immer wieder schaute Gießen zu, wie die Schwaben zum Teil ungestört und frech in die Zone zogen um sichere Punkte zu verwandeln. Bereits im ersten Viertel durften die Raubkatzen aus Tübingen 27 Punkte einfahren. Gießen hatte die Gegenspieler einfach nicht im Griff. Michael Jenkins zählte bereits fünf Assists, Romeo Travis sieben und Aleksandar Nadjfeji sechs Punkte in den ersten zehn Spielminuten. Gießen spielte zu der Zeit schon wie ein Löwe. Ja, ein Löwe direkt nach dem großen Fressen. Mahlzeit!
Ein Faktor war, der immer noch nicht fitte Starter Elvir Ovcina und Maurice Jeffers der schon in der zweiten Spielminute sein drittes (!) Foul kassierte. Aber der Flügelspieler sollte einer der Hauptakteure des Abends werden. Mit 22 Punkten und acht Rebounds ging er nicht nur als Top – Scorer, sondern auch als Sieger vom Feld, was sicherlich einer seiner Wünsche zum Wiegenfest war. Das Geburtstagskind schenkte sich und den Zuschauern außerdem im dritten Viertel den wohl spektakulärsten Dunking dieser Saison.
Die Halbzeit-Ansprache des Zirkusdirektor und Oberdompteur der Gießener Löwen in der Kabine schien aber angekommen zu sein. Gegen Ende des dritten und vor allem im vierten Viertel wurden die Tiger wahrlich niedergerungen und Gießen drehte richtig auf. Beispielhaft die gute Defensivleistung des viel kritisierten Max Weber, der an der Mittellinie Tübingens Aufbauspieler den Ball klaute und lässig punktete. Ein Gleichstand prangte in der 39. Minute auf den Tafeln. 68:68.
Gießen foulte den Tübinger Spieler Branislav Ratkovica der aber beide Freiwürfe vergab. Spannender hätte ein Krimi nicht sein können. Tübingen hatte erst zwei Mannschaftsfouls auf dem Konto und foulte so schnell 13 Sekunden und ein zweites mal 4,6 Sekunden vor Schluss. Das letzte Foul brach ihnen dann das Genick, da sie es viel zu früh machten statt ein bis zwei Sekunden vor Abpfiff abzuwarten. Denn 4,6 Sekunden können im Basketball sehr lange sein. Unsere Pointguard-Katze brauchte auch nur vier Sekunden um nach dem Einwurf über rechts in die Zone zu ziehen, den Gegenspieler Steven Wright mit einer Täuschung kurz zu verladen, auf links zu legen und den Ball per Korbleger zu versenken. Die Osthölle stand Kopf! Das gefühlte erste, knappe Spiel bei dem bis zum bitteren Ende gekämpft und schließlich gesiegt wurde. Keiner der 3525 Zuschauer konnte sich auf den Plätzen halten und selbst das Maskottchen Fabius holte alle restlichen Energien aus sich heraus und kletterte auf die Korbanlage vor dem Fanblock „Ost“. „Hier regiert der MTV!“ konnte man wahrscheinlich bis Tübingen hören. Zumindest wird es den angereisten Tigern noch lange in den Ohren gellen.
Mit diesem Sieg und gewonnenen Selbstvertrauen geht es jetzt am 17. April nach Ulm. Und natürlich mit dem sechsten Mann, den Fans, die wie auch gegen Tübingen einen großen Teil zu einem Sieg beitragen können. Die Domstädter, mit unserem alten Bekannten Austin Rowland, stehen mit zwei Siegen mehr auf ihrem Konto genau einen Platz über uns in der Tabelle. „We Entertain U“ titeln sie auf Ihrer Internetseite. Hoffen wir, dass es auch sehr unterhaltsam wird für uns. „WE BEAT U“ steht dann in zwei Wochen auf unserer Seite.
Die LTi 46ers übernehmen wieder die Fahrtkosten für die Fans zu diesem Auswärtsspiel. Wieder brauchen die rot-weißen jede zu mobilisierende Unterstützung im viertletzten Spiel der Saison und vorletzten Auswärtsspiel. Auf geht’s Gießen. Damit wir auch dort wieder rufen können „Hier regiert der MTV!“








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