Gießen | Man kann sich alles schön reden und auch nach der achten Niederlage in Folge nur die positiven Sekunden eines Spiels hervorheben. So titelt die Pressenachricht, aus dem Hause der „46ers“, nach der Niederlage in Trier “verbessert, aber wieder ohne Punkte” und “starkes Comeback von Anthony Smith”.
Dass Basketball ein Teamsport ist und nicht durch Einzelspieler gewonnen wird dürfte Cheftrainer Bogojevic spätestens nach dem gestrigen Spiel in Trier eingesehen haben.
Oder doch nicht? “Anthony Smith hat sich nach überstandener Knieverletzung mit einer starken Leistung in der Beko Basketball Bundesliga zurückgemeldet, die LTi GIESSEN 46ers müssen jedoch weiterhin auf ihren sechsten Saisonerfolg warten [...] konnte die Mannschaft aus der Lahnstadt [...] zwar bis in die Schlussphase hinein auf einen Sieg hoffen, am Ende jubelte jedoch das Team von TBB Trier [...] ” so die Pressestelle. In einem geplanten Angriff auf den sechsten Saisonerfolg will Gießen wie ein Tiger starten und landet doch nur als Bettvorleger für Trier. Ein Rekord haben wir allerdings geschafft. Acht Niederlagen in Folge hatte „Vladi“ bisher innerhalb einer Saison auch noch nicht verbuchen können.
Und dann nochmal: “Als gelungen darf das Comeback von Anthony Smith bezeichnet werden. Der US-Amerikaner gehörte bei seinem ersten Einsatz seit der Anfang November im Auswärtsspiel in Frankfurt erlittenen Verletzung zur Startformation, kam 28:43 Minuten zum Einsatz und war mit 21 Punkten vor Elvir Ovcina (15) und Zachery Peacock (14) erfolgreichster Werfer der Gießener Mannschaft. LTi 46ers-Chefcoach Vladimir Bogojevic: “Wir haben heute keine Zonenverteidigung gegen uns gesehen. Anthony war sehr motiviert, wollte uns nach der langen Pause unbedingt helfen und hat das heute gut gemacht.”
Achso. Wir haben das achte Spiel in Folge verloren (Anm. des Autors). Reine Nebensache. Aber hier noch ein paar Lorbeeren: “Der 24-jährige Shooting Guard bestach vor allem durch seine Treffsicherheit aus dem Dreipunktebereich: Smith versenkte jeden seiner fünf Dreierversuche im Trierer Korb, traf zudem drei von fünf Zweiern und trug so großen Anteil daran, dass die LTi 46ers vor rund 2500 Zuschauern in der Arena Trier ihre beste Dreipunkt-Trefferquote (7 Treffer bei 13 Versuchen, 54 Prozent) sowie die zweitbeste Feldwurfquote (52 Prozent, 24/46) in der Spielzeit 2010/2011 verbuchten.”
Zwischeninformation in eigener Sache: Nach der Niederlage gegen Trier steht Gießen auf Tabellenplatz 15 und kämpft weiter gegen den Abstieg. Eigentlich kann man schon von einer Abstiegskampfverweigerung reden. Aber weiter im (Presse-)Text:
“Auch defensiv war eine Steigerung gegenüber den letzten Spielen erkennbar: Der Gegner aus der Moselstadt, für den Philip Zwiener (19) die meisten Punkte erzielte, wurde auf einer Feldwurf-Trefferquote von 45 Prozent gehalten – für das Gießener Team der beste Wert seit vielen Wochen.” Applaus.
Die 20 Ballverluste auf der Gießener Seite werden dann fairerweise noch erwähnt, bevor man dann wieder vom “besseren Hineinkommen” und “Selbstvertrauen” spricht.
“Die LTi 46ers erwischten am Sonntagnachmittag zwar keinen guten Start und lagen nach fünf Minuten mit 3:12 hinten, fanden aber dann besser in die “von beiden Seiten sehr intensiv geführte Partie” (LTi 46ers-Cheftrainer Vladimir Bogojevic) hinein. Noch vor Ablauf der ersten zehn Minuten tankten die Gäste aus Mittelhessen Selbstvertrauen, als sie mit einem 8:0-Lauf (mit zwei Smith-Dreiern) zum Viertelendstand von 20:22 verkürzten.”
“Fortan war es eine Begegnung auf Augenhöhe. Als Trier im zweiten Viertel auf 32:23 enteilt war (16.), kämpfte sich die Bogojevic-Truppe wieder zurück in die Partie. Zur Pause betrug der Rückstand – wie am Ende von Viertel eins – zwei Pünktchen (35:37).” ( Zwei Punkte! – Anm.d.Autors)
46ers-Guard Tyler Kepkay brachte seine Farben in Minute 28 per Dreier erstmals in Führung (45:44). In den folgenden Minuten blieb es eng, keine der beiden Mannschaften konnte sich um mehr als drei Punkte vom Gegner absetzen. Leider kassierten die 46ers zwei Unsportliche Fouls (Mädrich/29., Brooks/36.) in Phasen, als sie sich nach den Worten von “Vladi” Bogojevic “auf einem guten Weg befanden, das Momentum auf ihre Seite zu drehen”. Unglücklich dann die Freiwurfausbeute in den letzten drei Minuten der Partie: Hatten die LTi 46ers bis zur 37. Minute eine makellose Bilanz “von der Linie” vorzuweisen (neun Versuche, neun Treffer), fanden von den sechs Freiwürfen, die den Gießenern zwischen dem 62:60 (37.) und dem 69:65 (39.) aus Sicht des Heimteams zugesprochen wurden, nur die Hälfte den Weg durch die TBB-Reuse. Trier baute seinen Vorsprung auf sechs Punkte aus (71:65, 50 Sekunden Rest), ein Rückstand, den die 46ers nicht mehr wettmachen konnten.
Wie wahr. Was sagt der Cheftrainer und Sportdirektor der Gießener dazu? “”Es war ein sehr intensiv und physisch geführtes Spiel von zwei Mannschaften, denen anzumerken war, dass sie unbedingt gewinnen wollten. Die 20 Ballverluste von uns haben sicher eine Rolle für den Ausgang der Partie gespielt. Zum Ende hin haben wir das besser in den Griff bekommen, unsere guten Phasen wurden dann aber auch leider von Pfiffen gegen uns unterbrochen. (“Schiris sind schuld” – Anm. d. Autors) Wir haben uns weiterentwickelt, (in der Abwärtsspirale – Anm.d.Autors) haben uns heute aber nicht mit einem Sieg belohnen können. Wir müssen nach vorne schauen und weiterarbeiten, am Mittwoch haben wir die Chance, es besser zu machen.”
Info für alle schmerzfreien Fans:
Für die LTi 46ers geht es in der Beko BBL am kommenden Mittwoch (29.12.) mit einem Auswärtsspiel beim Mitteldeutschen BC weiter. Tip-Off ist um 19.30 Uhr in der Stadthalle Weißenfels.
Aber jetzt heißt es erst einmal durchatmen und entspannt nach vorne schauen. Ein funktionierendes Team für die nächste Spielzeit muss aufgestellt werden. Viel Arbeit für Vladi & Co. Wie der Geschäftsführer der LTi 46ers verlauten ließ laufen die Verhandlungen natürlich schon auf Hochtouren. Während wir einige der jungen Wilden ganz sicher wieder im nächsten Jahr im rot-weißen Leibchen sehen dürfen ist der Rest offen. Ganz besonders soll aber Center Ovcina für die nächste Saison und eventuell sogar längerfristig gehalten werden so Syring.
Ein wahres Feuerwerk aber nur der Anfang. Trotz minutenlanger Standing Ovations, La Ola und „Hier regiert der MTV!“-Gesängen war jedem klar am Sonntag geht es weiter. Der nächste Gegner stand vor den Toren der Osthalle in Form magentafarbener Rheinländer.
Bis zur Halbzeit hielten sich die Lahnstädter Korbballer noch recht gut. Nur 35:36 stand es zur Pause. Im dritten Viertel legten sie einen guten Start hin und keiner ahnte den Einbruch, den wir gegen Ende des Viertels erleben mussten. Ulm spielte sich in einen Rausch und legte einen 20:4 Lauf auf den Stallboden der Kuhberghalle. Ja, die Halle heißt wirklich so. 61:51 – war der unheilverkündende Stand zu Beginn des letzten Viertels. Die Defense der Gießener befand sich noch irgendwo zwischen Narkose und Delirium, was Ulm vor der ebenfalls im Wachkoma befindlichen Heimkulisse zu nutzen wusste. Der Ulmer Kuhstall insgesamt glich nämlich, im Gegenteil zum rasanten Spiel der Domstädter auf dem Feld, eher einem klinischen Aufwachraum. Ob das am Sponsor lag? Freies Narkotikum für alle?
Das heißt, wir werden ihn diese Saison und in den letzten vier Spielen leider nicht mehr auf dem Spielfeld sehen. Immer auf die „Kleinen“. Es ist bereits seine zweite Verletzung in dieser Saison. Er musste bereits vier Spiele wegen einer Sprunggelenks-verletzung im Oktober 2009 aussetzen. „Das ist bitter“ meinte der Cheftrainer zu diesem Ausfall, aber „wir wollen es auch diesmal wieder gemeinschaftlich schaffen, die richtige Antwort auf einen Ausfall zu geben”. Am Samstag ist es wieder soweit. Das Team aus Gießen fährt nach Ulm. Gegen ratiopharm Ulm gilt es, nochmal alles zu geben. Auch für die Fans. Das vorletzte Auswärtsspiel ist wichtig und unsere Unterstützung um so mehr. Die Fanbusse fahren am Samstag, 17. April, um 13 Uhr vor der Osthalle ab. Tip-Off in Ulm ist um 19 Uhr.