Bittersweet – gerührt und nicht geschlagen.

20 10 2010

Gießen | Rot-Weiß – Bitter-süß. Schmerzlich und schön zugleich war das Wochenende im Herzen des hessischen Basketballs. Die Siegesserie riss mit der ersten Saisonniederlage (67:74) gegen die, bis dahin ebenfalls ungeschlagenen EWE Baskets Oldenburg.

Sah es doch zu Beginn des Spiels, in der ausverkauften Heimspielstätte des Deutschen Basketball-Meisters von 2009, noch nach der nächsten Sensation aus. Nicht nur tabellarisch stand hier ein Spitzenspiel an. Gießen startete mit einem „Ovcina-Tornado“ zur 10:2 Führung in nur drei Minuten und wir hätten den Nordlichtern nur allzu gerne ein Erliegen unter dieser bosnischen Naturkatastrophe gewünscht. Sechs Punkte, einen Block, einen Rebound, einen Steal und einen Assist hatte Ovcina nach den ersten drei Minuten schon auf den Spiebogen graviert. Am Ende reichte es dann aber nicht zur Sensation und einem vierten Sieg in Folge.
Vor 3148 Zuschauern zeigten wir Oldenburg zwar unsere Zähne, lagen im zweiten Viertel sogar vorne, mussten aber das Spiel im dritten Viertel mit 21:12 Punkten abgeben. Ursache war hier eindeutig die nur sieben prozentige Trefferquote von der Drei-Punkte-Linie und den vielen liegen gelassenen Punkten von der Freiwurflinie. Die Punkteverteilung war dabei sehr ausgeglichen. Besonders “Big Freeze” (Freese) war an diesem Tag – mit 11 Punkten – sehr gut aufgelegt. Top-Scorer war Brooks mit nur 4 Punkten mehr (15).

So schmerzlich die erste Niederage der Saison in Niedersachsen auch war, zu Hause war Gießen wieder völlig regeneriert und bestens vorbereitet auf den Gegner Ulm. Trotz der vielen Kommentare und Warnungen der Missgünstigen in einschlägigen Foren wie „Der Übermut hält nirgendwo so schnell Einzug wie in Gießen“, stand eine selbstbewusste Mannschaft unter Vladis Direktion auf dem heimischen Parkett.
Wenn die Ulmer Basketballer auch einen der größten Pharmakonzerne als Sponsor haben, fanden sie zusammen mit ihrem kleinen Trainer Troll Mike Taylor eindeutig kein Mittel gegen Gießen. Die Ulmer Spatzen sahen in der Osthalle nur wenig Sonne. Unter dem Ulmer Korb wurde es des öfteren dunkel – Peacock wartete in diesem Spiel mit seiner Saisonbestleistung auf.

Vor 3670 Zuschauern in der Osthalle, gewannen die Gießen 46ers ihr drittes Heimspiel in Folge mit 88:81. Das Spiel ging hier klarer an Gießen, als das Ergebnis auszusagen scheint.
Vier Siege in fünf Spielen, Platz drei in der Tabelle und zuhause nach wie vor ungeschlagen – so lautet das Ergebnis, der erst drei Wochen jungen Saison 2010/2011. Die Fans sind gerührt. Die Experten staunen. Und das überrascht nicht nur uns leidgeprüfte Giessener. „Es gibt ein Team, das in der aktuellen Beko-BBL-Saison wohl alle überrascht: die Giessen 46ers“ titelt Ademola Okulajain in seiner Kolumne auf Sport1.de. „Das Erfolgsrezept bei den 46ers ist ihr stimmiges Rundum-Paket“ so Okulajain weiter und dem stimmen wir nur zu. Besonders Peacock sieht er als „Glücksgriff“ der gegen Ulm mit 27 Punkten auch wieder Top-Scorer war. 85% seiner Würfe aus dem Feld fanden ihr Ziel – die gegnerische Reuse. Auch Nachverpflichtung Gamqrelidze machte, neben seinen 12 erzielten Punkten, sechs Assists, sechs Rebounds und zog fünf Fouls.
Ein Knaller nach dem anderen. Der nächste steht schon am 31.Oktober wieder auf dem geheiligten Boden der Osthalle. Der amtierende Deutsche Meister – Brose Baskets Bamberg. Aber „Bälle flach halten“ müssen wir hier in Gießen sicher nicht. Die fallen nämlich bei uns steil von oben durch die Reuse. Empfangen wir den amtierenden Meister genauso, wie das hoch gelobte Spitzenteam aus Bonn und schicken wir sie genauso abgefertigt auch wieder nach Hause. Auf das es weiter heißt: Giessen – zuhause ungeschlagen!





Von der Arena in die Manege

31 03 2010

Oldenburg | Basketball ist nun mal wie jeder andere Sport leistungsorientiert. Am Ende zählt nur die erbrachte Leistung und das Ergebnis auf der Punktetafel. Die Tabelle zählt nur die eingefahrenen Punkte. Und ja, die Gießen 46ers haben gegen den amtierenden Meister in der Oldenburger Arena verloren.

Ein wahrer Fan hat das Spiel am vergangenen Samstag allerdings etwas anders gesehen. Wir waren durchaus auf Augenhöhe, defensiv um Längen besser, haben phasenweise meisterhaft mitgehalten und den amtierenden Meister mehr als nur einmal in Verlegenheit gebracht. Und das ganz ohne unseren Starter Elvir Ovcina. Dem einen oder anderen Oldenburg-Fan saß das Herz Mitte des letzten Viertels sicher tief in der Angora-Wäsche. Sah es doch kurz nach einem Déjà-vu aus dem Hinspiel für Gießen aus. Die Statistiken malen da ein ganz anderes Bild als nur „Gießen verliert gegen Oldenburg“.

Statisik

Zwei der vier Viertel gingen an Gießen. Das erste mit 15:14 und das dritte mit 16:9 Punkten. Gießen legte Anfang der zweiten Halbzeit einen 14:0 Lauf hin nachdem Oldenburg mit 12 Punkten vorne lag. Die Wurfstatistiken waren völlig ausgeglichen genauso wie die Ballverluste. Lediglich die Freiwurfquote der Oldenburger war mit 65 Prozent höher als die der Gießener mit 50 Prozent.

Aber das sind sie. Die Kleinen Unterschiede die ein ganzes Spiel entscheiden können. 53 Sekunden vor Schluss lag Gießen, beim Stand 51:48, nur drei Punkte zurück als der Oldenburger Spieler Gardner mit einem Dreier den Abstand auf sechs Punkte vergrößerte. Das war aus meiner Sicht der K(n)ackpunkt der Partie. Ab da trafen die 46ers weder die Dreipunkte- noch die sicheren Halbdistanzwürfe. Ein unnötiger Ballverlust von Williams kurz danach erweckte den Eindruck wir hätten aufgegeben. Aber wie schon gesagt. Man kann es so oder so sehen.
Unser wichtigster Spieler unter dem Brett, Ovcina, saß verletzt auf der Bank. Jannik Freese übernahm seinen Part und machte ein tolles Spiel. Bei 31 Minuten Einsatzzeit machte er zwar nur vier Punkte und pflückte drei Rebounds aber konnte defensiv in der tiefen Zone seine Akzente setzen. Auch das war ein Grund warum Oldenburg 30 Dreier nehmen musste von denen aber nur sieben durch die Giessener Reuse schlüpften. Für mich war es ein Spiel in dem Gießen gezeigt hat das sie kämpfen können und auch keine Angst vor amtierenden Meistern haben. In diversen Vorberichten war nie die Vermutung das Gießen dieses Spiel für sich entscheiden könnte oder es knapp enden würde. Im Gegenteil war von einer „Klatsche“, „Abfertigen von Gießen“ und Ergebnissen jenseits der 20 Plus für Oldenburg die Rede. Aber der 29. Spieltag der Beko BBL sah dann doch etwas anders aus als alle Erwartungen. Auch in den anderen Begegnungen des gemütlichen Ballwerfens.

Das Punkteärmste Basketballwochenende hätten wir damit nämlich auch hinter uns gebracht. Im Rahmenprogramm standen sich Tübingen und Trier sowie Berlin und Entenhausen gegenüber. Das Spiel am Neckar entschieden die Tübinger Hausherren mit nur 65:54 für sich und die Albatrosse flogen auch nur im Tiefflug mit einem 63:61 Sieg über die Artländer. Was die vier Mannschaften zusammen addiert auf die Punktetafeln malten fällt in einem guten NBA Spiel an einem Abend durch die Netze. Hoffen wir, dass die vorösterliche Gemütlichkeit dann bis heute wieder vertrieben ist. Diesen Samstag ist die „Gud Stubb“ wieder geheizt und lädt zu einem aufregenden Spiel zwischen den LTi 46ers und den Walter Tigers Tübingen ein. Nach ihrem Heimsieg gegen Trier schnuppern sie auf Platz 12 Höhenluft aber Gießen liegt ja bekanntlich nicht sehr hoch (159m ü. NN). Also lassen wir die Tiger erst mal 200 Meter runter in unseren Käfig steigen und dann sehen wir weiter.
Zirkusdirektor Vladi Bogojevic hat unsere Tigerbändiger bereits bestens eingestimmt und am Samstagabend heißt es dann in der Gießener Manege erst mal Krallen stutzen.

Die Könige im Dschungel sind immer noch die Löwen (in Rot und Weiß).








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