Gießen | Das basketballfreie Wochenende, zumindest für die Bundesligisten in Gießen, ist um. Zum Glück. Und wer hätte das gedacht? Da schien in der letzten Saison das vor sich hin dösende Team Gießen im Tabellenkeller zu verenden, als sich plötzlich aus dem Untergrund der Unerfahrenheit und des Verletzungspech eine neue Macht in der Basketball-Bundesliga formierte.
Die BBL, zig Fachleute, Blogger und Presse zwitschern inzwischen nur noch über EINE Mannschaft. „Überraschungs-Mannschaft der Saison 2010/2011“, „Gießen in anderen Sphären“ sind die laufenden Headlines. Gießen in aller Munde.
Nach drei Siegen, beiden gewonnenen Heimspielen und nur einem blauen Auge – die knappe Niederlage gegen Meisterschaftskandidat Oldenburg – wird Gießen durchaus als Playoff-Anwärter in dieser Saison gehandelt.
Wie schon Okulaja in seiner Kolumne treffend feststellte, ist es das „stimmige Rundum-Paket“ von Vladi und Co, was Giessener Fans auf Wolke sieben und das Team aktuell auf Platz 2 (8:2 Punkte) der Tabelle schweben lässt. Nur noch die „B-Promis“ (Brose Baskets Bamberg) stehen ungeschlagen mit 12:0 Punkten über uns und sind gleichzeitig auch unsere nächsten Gäste zum “Mammut-Treffen” in der heimischen Osthölle. Am 31.10. ist es soweit. Um 17.00 Uhr startet das Spitzenspiel der Tabellenfavoriten. Der Kampf der Giganten. „Top-Begegnung des 7. Spieltages“ titeln die 46ers auf ihrer eigenen Hompage.
Was erwartet uns? Dass diese Saison ein Wandel bei uns Urgestein der BBL erfolgt ist, weiss nun jeder im Land. Im Gegensatz zum Vorjahr sind hier einige Reifungsprozesse vorangeschritten, wenn nicht sogar abgeschlossen worden. Unter dem Korb stehen Größe, Athletik und Erfahrung, vor allem mit dem „Kopf“ Elvir Ovcina, im richtigen Verhältnis. Es wird sich besser auf den Gegner vorbereitet, was eine bissige Defense und gnadenloses Pace-Spiel belegt.
Aber die Oberfranken sind nicht umsonst auf Platz Eins, ungeschlagen und daher nicht zu unterschätzen. 109 Begegnungen gab es schon zwischen Gießen und Bamberg im Deutschen Basketball Oberhaus, wobei Gießen 56 davon für sich entschied. Statistisch gesehen also gute Vorzeichen für uns Liga-Dinos. Allgemein wird Bamberg als individuell stärker gehandelt – aber wir spielen nun mal daheim. Und welche Mannschaft in der Beko BBL spielt schon gerne auswärts in DER Giessener Osthölle? Der amtierende Meister läuft mit einem Luxusfront- und Backcourt samt Ex-Gießener Anton Gavel auf der Eins, sowie Nachwuchstalent Tibor Pleiß als Center auf. Der Stärke Gavels sind wir uns bewusst und er wird ja in als „Lebensversicherung der Bsakets“ bezeichnet. Der junge Pleiß spielt zur Zeit immer stärker, wird es aber eher schwer haben gegen unseren „Bosnischen Turm“ Ovcina unter dem Korb. Aber auch der Kroatische Flügelspieler Predrag Suput und der US-Import Kyle Hines (Kall-Heinz) sind gefährliche Hausnummern, die uns sicher die eine oder andere Spielminute Nerven kosten werden.
Der Faktor Heimpublikum, oder auch liebevoll „betrunkener Mob“ geschimpft, ist bekannt und hat schon unzählige Gegner zermürbt. Gepaart mit dem neuen Motivator Ovcina, der die Halle auch aus dem Trauma in zwei Sekunden auf 300 bringen kann, ist die Osthölle auch diese Saison wieder eine „Deadly Combination“ – für normale Teams wie auch Spitzenreiter und amtierende Meister. Seit mehr als 13 Jahren standen wir nicht mehr da wo wir jetzt stehen. Und wer weiss…? Bei einem Sieg gegen die „B-Promis“ und Düsseldorf ständen wir auf Platz 1! Unterstützen wir also unsere Jungs im nächsten Kampf um die Tabellenspitze und lassen wir uns von ihnen in die faszinierende Welt des Basketballs zwischen Rot und Weiß entführen.
„Vladis“ Lieblings-S5 (Starting Five) und eindeutige Erfolgsgaranten haben sich herauskristallisiert. Mit Giorgi Gamqrelidze als Point Guard auf der Eins, Anthony Smith als Shooting Guard, Ryan Brooks und Zach Peacock als Forwards sowie Elvir Ovcina als Center stellte der Chefcoach dieselbe “Fünf” an den Start wie am vergangenen Samstag beim Saisonauftaktspiel gegen die Telekom Baskets Bonn. Das System funktioniert, die Rotation wirkt perfekt und die Verteidigung ist schier unüberwindbar.