Rezeptfreie Antipathie und Fannarkose

21 04 2010

Ulm | Den Sack frühzeitig zu machen. Klassenerhalt eintüten. Gibt es dagegen nicht was von ratiopharm?

Natürlich. Sehr wirksam, und auf jeden Fall mit nachhaltigen Nebenerscheinungen, haben wir uns in Ulm eine 72:84 Klatsche abgeholt. Ambulant behandelt, konnten die rot-weißen Kassenpatienten dann auch direkt wieder die Heimreise antreten. Und das ganze rezeptfrei. Dafür musste der Pharma-Riese auch gar nicht all zu tief in die Tasche greifen. Da uns Robin Benzing und Kevin Martin im letzten Viertel quasi im Alleingang zerlegt haben, dürfte die Portokasse genügt haben.

Wie ein Ulmer Fan im Nachhinein im Internet stichelte, muss es schon bitter sein 400 Kilometer zu fahren, um sich so eine Backpfeife abzuholen. Oh ja. Sehr ernüchternd. Das Ulmer Team spielte, als ginge es um den Klassenerhalt und Gießen dagegen eher wie frisch operiert.
Mit einer Ausnahme. Joe Werner. Der Top-Scorer des Abends, mit 25 Punkten, wuchs förmlich über sich hinaus. Aber leider kann ein Mann das Spiel nicht alleine gewinnen.
Bis zur Halbzeit hielten sich die Lahnstädter Korbballer noch recht gut. Nur 35:36 stand es zur Pause. Im dritten Viertel legten sie einen guten Start hin und keiner ahnte den Einbruch, den wir gegen Ende des Viertels erleben mussten. Ulm spielte sich in einen Rausch und legte einen 20:4 Lauf auf den Stallboden der Kuhberghalle. Ja, die Halle heißt wirklich so. 61:51 – war der unheilverkündende Stand zu Beginn des letzten Viertels. Die Defense der Gießener befand sich noch irgendwo zwischen Narkose und Delirium, was Ulm vor der ebenfalls im Wachkoma befindlichen Heimkulisse zu nutzen wusste. Der Ulmer Kuhstall insgesamt glich nämlich, im Gegenteil zum rasanten Spiel der Domstädter auf dem Feld, eher einem klinischen Aufwachraum. Ob das am Sponsor lag? Freies Narkotikum für alle?
Engagierte „Ordner“ und das Maskottchen der Ulmer liefen vor der Zuschauertribüne auf und ab und mussten Schilder hochhalten auf denen stand was die Zuschauer als nächstes machen mussten. Armselig.

Nichts desto trotz verlor Gießen das Spiel im Kampf. Cheftrainer Vladi fasste das Ganze am Schluss zusammen. „Ulm hat im dritten Viertel das Momentum über seinen Kampfgeist an sich gerissen. Das ist sehr verwunderlich, weil dieses Spiel uns hätte viel mehr bedeuten müssen als Ulm.“ Ganz genau Herr Bogojevic. Und wieder mal muss man sagen es ist Dein Team. Wenn Du es nicht weißt, wer dann?

Wer dagegen schon immer alles wusste und weiß, vor allem wie man im Hintergrund populistische Hetze betreibt (Beispiel Göttingen), war wieder einmal der Ulmer Manager Thomas Stoll. “Wir wollen Gießen mit einem Sieg nochmal richtig schön tief in den Keller schießen”, sagt Stoll und will das durchaus als verspätete Antwort auf das Theater um den aktuellen Ratiopharm-Spielmacher Austen Rowland verstehen. Da ist wohl jemand immer noch angepisst.

Aber zurück nach Gießen. Wenig Vorbereitung gibt es für die nächsten beiden Heimspiele. Die gleichzeitig auch letzten beiden Heimspiele der Saison finden an nur einem Wochenende statt. Am Freitag den 23.04.spielen die 46ers gegen die Brose Baskets aus Bamberg (20 Uhr) und gleich am Sonntag gegen die magentafarbenen Bonner (17 Uhr). Es bleiben uns also nur noch zwei Spiele um die Osthalle in die gewohnte Osthölle zu verwandeln und den beiden Gästen einen sportlichen Attest „war uns nicht gewachsen“ auszustellen. Frag nicht erst Deinen Arzt oder Apotheker sondern unterstütze noch ein Wochenende das Team als 6. Mann. Hoffen wir auf Erfolge und den Klassenerhalt ohne Risiken und Nebenwirkungen.








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