Mittelhessisches Tiefdruckgebiet

4 03 2010

Durch das verheerende Leistungstief „Zynismia“ sind am Wochenende erhebliche Schäden in der Basketballhochburg Gießen angerichtet worden und mindestens 3260 Hoffnungen ums Leben gekommen. Die meisten wurden von versemmelten Freiwürfen und dusseligen Ballverlusten erschlagen. Unzählige wurden verletzt. Nachdem der Spieltrieb in der Osthalle wegen des Tiefs am Samstag fast komplett stillgestanden hatte, nahmen die Spieler der LTi 46ers am Montag, etwas benommen das Training wieder auf. „Die ersten Spieler treffen wieder“, sagte ein Sprecher. Vor allem die ungedeckten Würfe aus der Zone. Die Freiwürfe und Distanzwürfe jenseits der „Schaffartzik – Linie“ sind jedoch weiter beeinträchtigt. Viele Spieler haben das erlebte noch nicht verarbeitet und brechen immer wieder weinend an der 6,25m Linie zusammen.

Ja es ist zum verrückt werden. So titelten gleich mehrere lokale Zeitungen Anfang dieser Woche nach dem Heimspiel der LTi „Fortyzitters“ gegen Braunschweig. 98 Sekunden vor Schluss lag Gießen nämlich noch mit zwei Punkten vorne (63:61). Wieder einmal ein relativ guter Auftritt der rot-weißen. Wieder gut gekämpft. Wieder am Ende knapp verloren. Herzlich Willkommen im Tiefdruckgebiet Gießen. Während viele von einer Pechsträhne und Unglück reden, lässt diese weitere Niederlage jedoch langsam ein Muster erkennen. Zehn Niederlagen in Elf Spielen und insgesamt die elfte Niederlage, bei der der Rückstand weniger als zehn Punkte beträgt.

Aber das kann man wirklich nicht mehr Pech nennen. Nein. Passendere Worte wären Fehlendes Selbstvertrauen, erzwungene Einzelaktionen, Standbasketball, Turnover und wenig System. Freiwurf was? Nie gehört. Schaffartzik schießt Dreier? Seit wann?

Hallo!? Auf welchem Planet waren die bei der EM oder letzte Saison in Gießen?
Vom säugenden Kleinkind bis zum Tattergreis mit Gehhilfe wusste jeder in der Halle, dass man Heiko Schaffartzik niemals frei an der 3er-Linie stehen lassen darf. Sogar im Vorbericht hieß es wörtlich „Heiko Schaffartzik (der Ex-46er kommt auf elf Punkte pro Spiel bei einer Dreiertrefferquote von 37 Prozent)…“ In der Osthalle kam er am Samstag auf 70 Prozent (!). Herzlichen Glückwunsch und noch mal vielen Dank an dieser Stelle.

Aber was soll man machen. Ein Wutanfall des Motivationskünstlers mit Draht zur Mannschaft vor laufenden Kameras, war da doch sehr Beispielhaft für die derzeitige Situation. Sein Kommentar nach dem Spiel, es hätte ihn verwundert, dass Heiko und Hicks offene Dreier nehmen konnten, erschreckend. Wenn es Dich schon wundert, Vladi was sollen die Fans da sagen. Ich stand mit offenem Mund und kreisrundem Haarausfall am Spielfeldrand. Aber ich distanziere mich hier von der Überheblichkeit des vermeintlichen Besserwissens. Fremdschämend und auf der Suche nach einem neuen Shampoo oder einer Überdosis Propecia werde ich diese Woche abwarten, mich von den Orkan- und Leistungstiefs dieser Woche erholen und hoffe auf einen Sieg in Paderborn. Wie jeder weiß wird es eng mit dem Klassenerhalt im Gießener Korbsport. Aber was wäre man für ein Fan wenn man jetzt die Hoffnung aufgäbe. Die Paderborner rechnen schon mit 250-300 Gießener Gästen in der eigenen Halle laut Vereinseigenem Fan-Forum. Die werden wir sicher nicht vor Ort zusammentrommeln können aber genügend Herzen werden mit dabei sein. Ob am Live-Ticker, Online Radio-Stream, Handy oder ähnlichen Medien. Wir stehen auch im nächsten Spiel wieder hinter Euch, fiebern mit, verzweifeln, jubeln. Je nach dem. Macht es uns nicht so schwer.








Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.