Gießen | Ein bekannter Süßwaren-Hersteller versucht mit aller Gewalt Packungen zu kreieren, aus denen man partout die Schokocreme nicht restlos herauskratzen kann. Das selbe Gefühl, was ich sonst nur vom Frühstück kenne, überkam mich beim Spiel der LTi 46ers gegen die Walter Tigers Tübingen in den ersten 20 Minuten. Nachdem die Tiger sich in unserem Gehege immer mehr wie zu Hause fühlten und Gießen „auf Teufel komm raus“ keine Defense gegen Tübingen spielen wollte, schien es, als ob sie einfach nicht alles aus sich, beziehungsweise den Fehlern des Gegners, herausholen wollten. Dabei wird seit Tagen der Abstieg fast als nie dagewesenes Thema abgetan. Das Team – die Mogelpackung des Abends?
Es hatte schon keiner mehr daran geglaubt. Nach einer verlorenen ersten Halbzeit und einem 16 Punkte Rückstand (38:54) im dritten Viertel wurden den schwäbischen Tigern schließlich doch die Zähne gezogen. Und das sehr schmerzhaft.
Aber zurück zum verloren geglaubten Brotaufstrich in der Mogelpackung. Immer wieder schaute Gießen zu, wie die Schwaben zum Teil ungestört und frech in die Zone zogen um sichere Punkte zu verwandeln. Bereits im ersten Viertel durften die Raubkatzen aus Tübingen 27 Punkte einfahren. Gießen hatte die Gegenspieler einfach nicht im Griff. Michael Jenkins zählte bereits fünf Assists, Romeo Travis sieben und Aleksandar Nadjfeji sechs Punkte in den ersten zehn Spielminuten. Gießen spielte zu der Zeit schon wie ein Löwe. Ja, ein Löwe direkt nach dem großen Fressen. Mahlzeit!
Ein Faktor war, der immer noch nicht fitte Starter Elvir Ovcina und Maurice Jeffers der schon in der zweiten Spielminute sein drittes (!) Foul kassierte. Aber der Flügelspieler sollte einer der Hauptakteure des Abends werden. Mit 22 Punkten und acht Rebounds ging er nicht nur als Top – Scorer, sondern auch als Sieger vom Feld, was sicherlich einer seiner Wünsche zum Wiegenfest war. Das Geburtstagskind schenkte sich und den Zuschauern außerdem im dritten Viertel den wohl spektakulärsten Dunking dieser Saison.
Die Halbzeit-Ansprache des Zirkusdirektor und Oberdompteur der Gießener Löwen in der Kabine schien aber angekommen zu sein. Gegen Ende des dritten und vor allem im vierten Viertel wurden die Tiger wahrlich niedergerungen und Gießen drehte richtig auf. Beispielhaft die gute Defensivleistung des viel kritisierten Max Weber, der an der Mittellinie Tübingens Aufbauspieler den Ball klaute und lässig punktete. Ein Gleichstand prangte in der 39. Minute auf den Tafeln. 68:68.
Gießen foulte den Tübinger Spieler Branislav Ratkovica der aber beide Freiwürfe vergab. Spannender hätte ein Krimi nicht sein können. Tübingen hatte erst zwei Mannschaftsfouls auf dem Konto und foulte so schnell 13 Sekunden und ein zweites mal 4,6 Sekunden vor Schluss. Das letzte Foul brach ihnen dann das Genick, da sie es viel zu früh machten statt ein bis zwei Sekunden vor Abpfiff abzuwarten. Denn 4,6 Sekunden können im Basketball sehr lange sein. Unsere Pointguard-Katze brauchte auch nur vier Sekunden um nach dem Einwurf über rechts in die Zone zu ziehen, den Gegenspieler Steven Wright mit einer Täuschung kurz zu verladen, auf links zu legen und den Ball per Korbleger zu versenken. Die Osthölle stand Kopf! Das gefühlte erste, knappe Spiel bei dem bis zum bitteren Ende gekämpft und schließlich gesiegt wurde. Keiner der 3525 Zuschauer konnte sich auf den Plätzen halten und selbst das Maskottchen Fabius holte alle restlichen Energien aus sich heraus und kletterte auf die Korbanlage vor dem Fanblock „Ost“.
„Hier regiert der MTV!“ konnte man wahrscheinlich bis Tübingen hören. Zumindest wird es den angereisten Tigern noch lange in den Ohren gellen.
Mit diesem Sieg und gewonnenen Selbstvertrauen geht es jetzt am 17. April nach Ulm. Und natürlich mit dem sechsten Mann, den Fans, die wie auch gegen Tübingen einen großen Teil zu einem Sieg beitragen können. Die Domstädter, mit unserem alten Bekannten Austin Rowland, stehen mit zwei Siegen mehr auf ihrem Konto genau einen Platz über uns in der Tabelle. „We Entertain U“ titeln sie auf Ihrer Internetseite. Hoffen wir, dass es auch sehr unterhaltsam wird für uns. „WE BEAT U“ steht dann in zwei Wochen auf unserer Seite.
Die LTi 46ers übernehmen wieder die Fahrtkosten für die Fans zu diesem Auswärtsspiel. Wieder brauchen die rot-weißen jede zu mobilisierende Unterstützung im viertletzten Spiel der Saison und vorletzten Auswärtsspiel. Auf geht’s Gießen. Damit wir auch dort wieder rufen können „Hier regiert der MTV!“
Tiger und andere Mogelpackungen
7 04 2010Kommentare : Kommentar schreiben »
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Von der Arena in die Manege
31 03 2010Oldenburg | Basketball ist nun mal wie jeder andere Sport leistungsorientiert. Am Ende zählt nur die erbrachte Leistung und das Ergebnis auf der Punktetafel. Die Tabelle zählt nur die eingefahrenen Punkte. Und ja, die Gießen 46ers haben gegen den amtierenden Meister in der Oldenburger Arena verloren.
Ein wahrer Fan hat das Spiel am vergangenen Samstag allerdings etwas anders gesehen. Wir waren durchaus auf Augenhöhe, defensiv um Längen besser, haben phasenweise meisterhaft mitgehalten und den amtierenden Meister mehr als nur einmal in Verlegenheit gebracht. Und das ganz ohne unseren Starter Elvir Ovcina. Dem einen oder anderen Oldenburg-Fan saß das Herz Mitte des letzten Viertels sicher tief in der Angora-Wäsche. Sah es doch kurz nach einem Déjà-vu aus dem Hinspiel für Gießen aus. Die Statistiken malen da ein ganz anderes Bild als nur „Gießen verliert gegen Oldenburg“.
Zwei der vier Viertel gingen an Gießen. Das erste mit 15:14 und das dritte mit 16:9 Punkten. Gießen legte Anfang der zweiten Halbzeit einen 14:0 Lauf hin nachdem Oldenburg mit 12 Punkten vorne lag. Die Wurfstatistiken waren völlig ausgeglichen genauso wie die Ballverluste. Lediglich die Freiwurfquote der Oldenburger war mit 65 Prozent höher als die der Gießener mit 50 Prozent.
Aber das sind sie. Die Kleinen Unterschiede die ein ganzes Spiel entscheiden können. 53 Sekunden vor Schluss lag Gießen, beim Stand 51:48, nur drei Punkte zurück als der Oldenburger Spieler Gardner mit einem Dreier den Abstand auf sechs Punkte vergrößerte. Das war aus meiner Sicht der K(n)ackpunkt der Partie. Ab da trafen die 46ers weder die Dreipunkte- noch die sicheren Halbdistanzwürfe. Ein unnötiger Ballverlust von Williams kurz danach erweckte den Eindruck wir hätten aufgegeben. Aber wie schon gesagt. Man kann es so oder so sehen.
Unser wichtigster Spieler unter dem Brett, Ovcina, saß verletzt auf der Bank. Jannik Freese übernahm seinen Part und machte ein tolles Spiel. Bei 31 Minuten Einsatzzeit machte er zwar nur vier Punkte und pflückte drei Rebounds aber konnte defensiv in der tiefen Zone seine Akzente setzen. Auch das war ein Grund warum Oldenburg 30 Dreier nehmen musste von denen aber nur sieben durch die Giessener Reuse schlüpften. Für mich war es ein Spiel in dem Gießen gezeigt hat das sie kämpfen können und auch keine Angst vor amtierenden Meistern haben. In diversen Vorberichten war nie die Vermutung das Gießen dieses Spiel für sich entscheiden könnte oder es knapp enden würde. Im Gegenteil war von einer „Klatsche“, „Abfertigen von Gießen“ und Ergebnissen jenseits der 20 Plus für Oldenburg die Rede. Aber der 29. Spieltag der Beko BBL sah dann doch etwas anders aus als alle Erwartungen. Auch in den anderen Begegnungen des gemütlichen Ballwerfens.
Das Punkteärmste Basketballwochenende hätten wir damit nämlich auch hinter uns gebracht. Im Rahmenprogramm standen sich Tübingen und Trier sowie Berlin und Entenhausen gegenüber. Das Spiel am Neckar entschieden die Tübinger Hausherren mit nur 65:54 für sich und die Albatrosse flogen auch nur im Tiefflug mit einem 63:61 Sieg über die Artländer. Was die vier Mannschaften zusammen addiert auf die Punktetafeln malten fällt in einem guten NBA Spiel an einem Abend durch die Netze. Hoffen wir, dass die vorösterliche Gemütlichkeit dann bis heute wieder vertrieben ist. Diesen Samstag ist die „Gud Stubb“ wieder geheizt und lädt zu einem aufregenden Spiel zwischen den LTi 46ers und den Walter Tigers Tübingen ein. Nach ihrem Heimsieg gegen Trier schnuppern sie auf Platz 12 Höhenluft aber Gießen liegt ja bekanntlich nicht sehr hoch (159m ü. NN). Also lassen wir die Tiger erst mal 200 Meter runter in unseren Käfig steigen und dann sehen wir weiter.
Zirkusdirektor Vladi Bogojevic hat unsere Tigerbändiger bereits bestens eingestimmt und am Samstagabend heißt es dann in der Gießener Manege erst mal Krallen stutzen.
Die Könige im Dschungel sind immer noch die Löwen (in Rot und Weiß).
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