Gießen | Rot-Weiß – Bitter-süß. Schmerzlich und schön zugleich war das Wochenende im Herzen des hessischen Basketballs. Die Siegesserie riss mit der ersten Saisonniederlage (67:74) gegen die, bis dahin ebenfalls ungeschlagenen EWE Baskets Oldenburg.
Sah es doch zu Beginn des Spiels, in der ausverkauften Heimspielstätte des Deutschen Basketball-Meisters von 2009, noch nach der nächsten Sensation aus. Nicht nur tabellarisch stand hier ein Spitzenspiel an. Gießen startete mit einem „Ovcina-Tornado“ zur 10:2 Führung in nur drei Minuten und wir hätten den Nordlichtern nur allzu gerne ein Erliegen unter dieser bosnischen Naturkatastrophe gewünscht. Sechs Punkte, einen Block, einen Rebound, einen Steal und einen Assist hatte Ovcina nach den ersten drei Minuten schon auf den Spiebogen graviert. Am Ende reichte es dann aber nicht zur Sensation und einem vierten Sieg in Folge.
Vor 3148 Zuschauern zeigten wir Oldenburg zwar unsere Zähne, lagen im zweiten Viertel sogar vorne, mussten aber das Spiel im dritten Viertel mit 21:12 Punkten abgeben. Ursache war hier eindeutig die nur sieben prozentige Trefferquote von der Drei-Punkte-Linie und den vielen liegen gelassenen Punkten von der Freiwurflinie. Die Punkteverteilung war dabei sehr ausgeglichen. Besonders “Big Freeze” (Freese) war an diesem Tag – mit 11 Punkten – sehr gut aufgelegt. Top-Scorer war Brooks mit nur 4 Punkten mehr (15).
So schmerzlich die erste Niederage der Saison in Niedersachsen auch war, zu Hause war Gießen wieder völlig regeneriert und bestens vorbereitet auf den Gegner Ulm. Trotz der vielen Kommentare und Warnungen der Missgünstigen in einschlägigen Foren wie „Der Übermut hält nirgendwo so schnell Einzug wie in Gießen“, stand eine selbstbewusste Mannschaft unter Vladis Direktion auf dem heimischen Parkett.
Wenn die Ulmer Basketballer auch einen der größten Pharmakonzerne als Sponsor haben, fanden sie zusammen mit ihrem kleinen Trainer Troll Mike Taylor eindeutig kein Mittel gegen Gießen. Die Ulmer Spatzen sahen in der Osthalle nur wenig Sonne. Unter dem Ulmer Korb wurde es des öfteren dunkel – Peacock wartete in diesem Spiel mit seiner Saisonbestleistung auf.
Vor 3670 Zuschauern in der Osthalle, gewannen die Gießen 46ers ihr drittes Heimspiel in Folge mit 88:81. Das Spiel ging hier klarer an Gießen, als das Ergebnis auszusagen scheint.
Vier Siege in fünf Spielen, Platz drei in der Tabelle und zuhause nach wie vor ungeschlagen – so lautet das Ergebnis, der erst drei Wochen jungen Saison 2010/2011. Die Fans sind gerührt. Die Experten staunen. Und das überrascht nicht nur uns leidgeprüfte Giessener. „Es gibt ein Team, das in der aktuellen Beko-BBL-Saison wohl alle überrascht: die Giessen 46ers“ titelt Ademola Okulajain in seiner Kolumne auf Sport1.de. „Das Erfolgsrezept bei den 46ers ist ihr stimmiges Rundum-Paket“ so Okulajain weiter und dem stimmen wir nur zu. Besonders Peacock sieht er als „Glücksgriff“ der gegen Ulm mit 27 Punkten auch wieder Top-Scorer war. 85% seiner Würfe aus dem Feld fanden ihr Ziel – die gegnerische Reuse. Auch Nachverpflichtung Gamqrelidze machte, neben seinen 12 erzielten Punkten, sechs Assists, sechs Rebounds und zog fünf Fouls.
Ein Knaller nach dem anderen. Der nächste steht schon am 31.Oktober wieder auf dem geheiligten Boden der Osthalle. Der amtierende Deutsche Meister – Brose Baskets Bamberg. Aber „Bälle flach halten“ müssen wir hier in Gießen sicher nicht. Die fallen nämlich bei uns steil von oben durch die Reuse. Empfangen wir den amtierenden Meister genauso, wie das hoch gelobte Spitzenteam aus Bonn und schicken wir sie genauso abgefertigt auch wieder nach Hause. Auf das es weiter heißt: Giessen – zuhause ungeschlagen!
Bis zur Halbzeit hielten sich die Lahnstädter Korbballer noch recht gut. Nur 35:36 stand es zur Pause. Im dritten Viertel legten sie einen guten Start hin und keiner ahnte den Einbruch, den wir gegen Ende des Viertels erleben mussten. Ulm spielte sich in einen Rausch und legte einen 20:4 Lauf auf den Stallboden der Kuhberghalle. Ja, die Halle heißt wirklich so. 61:51 – war der unheilverkündende Stand zu Beginn des letzten Viertels. Die Defense der Gießener befand sich noch irgendwo zwischen Narkose und Delirium, was Ulm vor der ebenfalls im Wachkoma befindlichen Heimkulisse zu nutzen wusste. Der Ulmer Kuhstall insgesamt glich nämlich, im Gegenteil zum rasanten Spiel der Domstädter auf dem Feld, eher einem klinischen Aufwachraum. Ob das am Sponsor lag? Freies Narkotikum für alle?
Das heißt, wir werden ihn diese Saison und in den letzten vier Spielen leider nicht mehr auf dem Spielfeld sehen. Immer auf die „Kleinen“. Es ist bereits seine zweite Verletzung in dieser Saison. Er musste bereits vier Spiele wegen einer Sprunggelenks-verletzung im Oktober 2009 aussetzen. „Das ist bitter“ meinte der Cheftrainer zu diesem Ausfall, aber „wir wollen es auch diesmal wieder gemeinschaftlich schaffen, die richtige Antwort auf einen Ausfall zu geben”. Am Samstag ist es wieder soweit. Das Team aus Gießen fährt nach Ulm. Gegen ratiopharm Ulm gilt es, nochmal alles zu geben. Auch für die Fans. Das vorletzte Auswärtsspiel ist wichtig und unsere Unterstützung um so mehr. Die Fanbusse fahren am Samstag, 17. April, um 13 Uhr vor der Osthalle ab. Tip-Off in Ulm ist um 19 Uhr.